
Kurzprofil
Mia Von Schöneberg ist Exilantin, Socialite und Ministerin einer Behörde, deren Zuständigkeit schon am Namen erkennen lässt, dass NeuBerlin irgendwann aufgehört hat, sich für vernünftige Verwaltungsstrukturen zu schämen. Nach dem Diebstahl der Krone wurde sie auf Lebenszeit nach NeuBerlin verbannt, wo sie das Ministerium der Schnittlauch Reform übernahm. Ihre Dachraves gelten als gesellschaftliche Pflichttermine für alle, die wichtig sind, wichtig wirken oder wenigstens einen Pfau besitzen.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Name | Mia Von Schöneberg |
| Zugehörigkeit | Schöneberg Archipel, Himmelfahrtskommando |
| Funktion | Socialite |
| Herkunft | Adel; Exil in NeuBerlin |
| Spezialgebiet | Soziale Macht, Networking, elegante Ablenkungsmanöver |
| Wichtigster Besitz | Ihr selbst entwickelter Gleitschirm; direkt dahinter vermutlich ihre Pfauen |
| Erscheinungsbild | Kontrollierte Extravaganz: gepflegt, elegant, zu auffällig für Zufall und zu lässig für Hofetikette |
| Größte Schwäche | Eitelkeit mit bemerkenswerter Abneigung gegen körperliche Arbeit |
| Haltung | ”Kinn hoch, so kann man besser auf die anderen Herabschauen” |
Biographie
Als Exilantin des Adels besteht Mias Lebenslauf zu ungefähr gleichen Teilen aus Hausverboten, gesellschaftlichen Neuanfängen und Ereignissen, die in offiziellen Chroniken auffällig passiv formuliert werden.
Im Jahr 2114 stahl sie während einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Krone des Adels. Der genaue Ablauf ist unklar, weil sämtliche Beteiligten später entweder schwiegen, logen oder sich nicht mehr erinnern konnten, was bei Hofe ungefähr dieselbe Beweislage darstellt. Sicher ist lediglich, dass Mia die Krone anschließend dem geheimnisvollen Lord Relax a Lot schenkte und in diesem Zusammenhang die Treuhand gründete.
Der Gerichtshof des Adels verbannte Mia auf Lebenszeit nach NeuBerlin. Ein Peilsender an ihrem Knöchel überwacht seither ihre Position in Echtzeit; überschreitet sie die festgelegten Flanken, werden die Sentinel 7 alarmiert.
Mia bezeichnet das Gerät als “Schmuck mit administrativem Minderwertigkeitskomplex”.
Mia über ihren Peilsender
„Eine Fußfessel ist nur ein Fußkettchen mit schlechter Presse.“
Nach ihrer Ankunft übernahm sie zügig Verantwortung für das damals organisatorisch eher hypothetische Schöneberg. Ihre Roof-Raves auf den Dächern des Bezirks erwiesen sich für die Entstehung der neuen kosmopolitischen Klasse als äußerst effektiv. So entstand weniger Jahre rund um ihre Raves eine Clique, deren Mitglieder sehr überzeugend ein Glas halten konnten.
Aus diesem Umfeld entwickelte sich eine neue Elite, obwohl Mia das Wort Elite öffentlich ablehnt; sie bevorzugt “Menschen mit Auswahlmöglichkeiten”.
Quote
“Eine Elite erkennt man daran, dass sie behauptet, keine zu sein.”
Mia gilt als hervorragend vernetzt. Ob ihr Titel „Von Schöneberg“ tatsächlich auf erbliche Ansprüche zurückgeht oder irgendwann von ihr selbst beschlossen wurde, ist ungeklärt. Nachfragen beantwortet sie grundsätzlich so, dass sich der Fragende anschließend schämt, überhaupt nachgefragt zu haben.
Quote
„Natürlich ist das Von echt. Die interessantere Frage wäre, ob der Adel echt ist.“
Persönlichkeit
Mia entstammt dem alten Adel und besitzt entsprechend tadellose Manieren, was ihr die seltene Fähigkeit verleiht, jemanden aufs tiefste zu beleidigen, ohne dass die betreffende Person ahnt, dass sie beleidigt wurde.
Sie nimmt die gesellschaftlichen Rituale ihres Stammbaumes ernst genug, um sie perfekt zu beherrschen, und wenig genug, um sich darüber lustig zu machen. Ein Empfang ist für sie zugleich Bühne, Schlachtfeld und Gelegenheit, kostenlos Champagner zu trinken. Ihre Sprache besteht aus Bonmots, die sich hervorragend auf Postkarten drucken ließen:
Einige von Mias Bonmots
Über Reichtum: „Geld macht nicht glücklich. Es macht das Unglück nur wesentlich fotogener.“
Über Adel: „Tradition ist das, was übrig bleibt, wenn niemand mehr weiß, warum man damit angefangen hat.“
Über Macht: „Macht erkennt man daran, dass plötzlich alle behaupten, sie hätten dich schon immer gemocht.“
Über NeuBerlin: „Die Stadt ist nicht gesunken. Sie hat lediglich ihre Prioritäten tiefer gelegt.“
Über schlechte Partys: „Es waren viele interessante Menschen da. Leider nicht gleichzeitig.“
Über Moral: „Ich bin sehr für Prinzipien. Man sollte immer einige besitzen, damit man bei Bedarf eines opfern kann.“
Ihre besondere Schwäche für Pfauen ist weithin bekannt. Das wäre normalerweise nur eine exzentrische Vorliebe, würde NeuBerlin Statussymbole nicht mit derselben Ernsthaftigkeit behandeln wie anderswo Grundnahrungsmittel. Ein ausgewachsener Pfau kann Menschen dazu bringen, vollkommen rationale Entscheidungen gegen einen Vogel einzutauschen, der hauptsächlich herumsteht und aussieht, als hätte die Evolution den Begriff “ein bisschen weniger” vergessen.
Der Insulaner von Schöneberg ist ihr Reich und zugleich Heimat einer statistisch schwer erklärbaren Menge Pfauen. Woher sie die Tiere bezieht, ist Gegenstand zahlreicher Gerüchte. Eine besonders hartnäckige Theorie behauptet, sie unterhalte mit Solo Mio ein Abkommen, bei dem Pfauen gegen unausgesprochene Dienstleistungen getauscht werden.
Mia bestreitet dies nicht direkt. Was bei Mia meistens bedeutet, dass die Wahrheit entweder langweilig oder sehr teuer ist.
Quote
„Solo und ich tauschen ausschließlich kulturelle Güter. Was genau Kultur ist, entscheiden wir jeweils nach Lieferung.“
Gerüchte, Mia könne weiterhin für die Krone arbeiten, verschwinden ebenfalls nie vollständig. Tatsächlich spricht sie auffällig häufig über die moralische Verkommenheit des alten Adels. Sie spricht dagegen auffällig selten über ihre eigene Kindheit.
Wenn Gespräche in diese Richtung geraten, vollführt Mia eine rhetorische Bewegung, die in Schöneberg inzwischen den Von-Schwenk genannt wird: Sie beantwortet eine andere, interessantere Frage und tut dies mit so viel Eleganz, dass niemand bemerkt, dass die ursprüngliche noch im Raum steht.
Quote
„Meine Kindheit? Aber bitte. Wir reden hier gerade über Ihre Entscheidungen.“
Ihre Befürchtung, dass ihre Schwester Beatrix Von Burg zusammen mit Admiral 7 die Interessen des Adels im Himmel fortsetzen, ist einer der wichtigsten Gründe für ihren Beitritt zum Himmelfahrtskommando. Mia bezeichnet Beatrix gern als “eine Frau mit hervorragendem Geschmack und erschreckend falschen Schlussfolgerungen”.
Mia bewegt sich kontrolliert und spricht noch kontrollierter. Ihre Autorität wirkt selten erzwungen. Sie besitzt vielmehr jene unangenehme Form von Selbstverständlichkeit, bei der man ihr nach fünf Minuten freiwillig den besseren Stuhl anbietet und erst später darüber nachdenkt, warum.
Fragt man sie nach ihrem Hobby, nennt sie häufig Paragliding, und zwar mit einer Zuverlässigkeit, die zur Vermutung anstiftet, es könnte tatsächlich stimmen. Angeblich entwickelte sie ihren Gleitschirm selbst. Das ist möglicherweise der einzige Bereich ihres Lebens, in dem sie bereitwillig zugibt, von niemandem getragen zu werden.
Fähigkeiten
Mias größte Begabung ist die Wahrung des sozialen Gleichgewichts. Während der Clankriege von NeuBerlin tritt sie als Vermittlerin auf, weil sie die Interessen der einzelnen Clans versteht, ihre Eitelkeiten kennt und vor allem weiß, welche Wahrheit man wem in welcher Reihenfolge erzählen darf.
Ihre Diplomatie funktioniert nur deshalb, weil alle davon ausgehen, dass Mia die anderen ebenso manipuliert wie sie selbst. In NeuBerlin gilt das als bemerkenswerte Form der Fairness.
Sie erkennt schnell, welche Person in einem Raum tatsächlich Einfluss besitzt. Das ist selten dieselbe Person, die am Kopfende sitzt. Mia beobachtet, wer unterbrochen wird, wer nicht unterbrochen werden darf, wer wem nachschenkt und bei wessen Witz alle eine halbe Sekunde zu spät lachen.
Daraus baut sie ihre Strategie.
Quote
„In jeder Gruppe gibt es einen Anführer. Meistens ist es nicht der, der es weiß.“
Für die nautischen und navigatorischen Herausforderungen des Himmelfahrtskommandos sind ihre Fähigkeiten deutlich weniger spektakulär. Brasswinden aufdrehen, Taue holen, Pumpen bedienen und andere Tätigkeiten, bei denen ein Kleidungsstück schmutziger werden könnte als politisch notwendig, betrachtet sie als Spezialaufgaben für andere Menschen.
Sie besitzt dafür eine beeindruckende Sammlung von Begründungen.
Mia bei der Arbeit
Beim Ankerholen: „Ich würde wirklich gern helfen, aber Hierarchie funktioniert nur, wenn nicht alle dasselbe tun.“
Beim Segelsetzen: „Meine Hände sind diplomatisch akkreditiert.“
Beim Deckschrubben: „Sauberkeit ist ein Zustand. Führung ist ein Prozess.“
Beim Tragen schwerer Kisten: „Ich trage Verantwortung. Das ist schon schwer genug.“
Nachdem sie fünf Minuten zugesehen hat: „Wunderbar. Ihr habt offensichtlich eine Lösung gefunden.“
Ihr eigentliches Talent zeigt sich, sobald Gruppen auseinanderzubrechen drohen. Mia erkennt verletzten Stolz fast instinktiv. Sie kann einen Streit entschärfen, indem sie einer Person Recht gibt, einer zweiten das Gefühl vermittelt, gewonnen zu haben, und einer dritten später erklärt, dass alles ihre Idee gewesen sei.
Im Ergebnis arbeiten wieder alle zusammen, und niemand weiß, warum.
Beziehungen
Kokolores
Koko hat einen offensichtlichen Crush auf Mia. Mia weiß das selbstverständlich. Es wäre gegen ihre gesamte Ausbildung, etwas Derartiges nicht innerhalb der ersten dreißig Sekunden zu bemerken.
Sie genießt Kokos Bewunderung. Zwischen beiden entsteht eine eigenartige Form gegenseitiger Erziehung. Mia versucht, Koko die Rhetorik und Manieren des Hofes beizubringen, während Koko Mia regelmäßig daran erinnert, dass normale Menschen Sätze gelegentlich einfach so meinen.
Kokos Herkunft aus einfachen Verhältnissen fasziniert Mia. Ihre Schusseligkeit, ihre direkte Emotionalität und ihr völliges Desinteresse an gesellschaftlichen Codes wirken auf Mia wie eine exotische Form von Freiheit.
Quote
Mia: „Koko, du kannst einem Admiral nicht sagen, sein Hut sehe traurig aus.“
Koko: „Aber er sah traurig aus.“
Mia: „Ja. Darum sagt man es seiner Frau.“
Koko wiederum betrachtet es als Privileg, mit einer Vertreterin des Adels in den Himmel aufzubrechen, auch wenn die Vertreterin offiziell verbannt und mit einem Peilsender ausgestattet ist. Mia hat sie bisher nicht über diesen Widerspruch aufgeklärt.
Spasti
Für Spasti besitzt Mia ungefähr so viel Geduld wie für einen brennenden Mülleimer in einem Ballsaal: Man erkennt an, dass er existiert, möchte aber dringend wissen, wer ihn angezündet hat.
Spasti hält Mia im Gegenzug für „vornehm komisch“. Ihre Auseinandersetzungen entstehen meistens dann, wenn Spasti etwas anzündet, essen möchte, trinken möchte, anzünden möchte, nachdem er es getrunken hat, oder alle vier Dinge miteinander verbindet.
Mia zu Spasti
“Spasti, es gibt Menschen, die einen Raum betreten und ihn heller machen. Du gehörst nicht dazu.”
Trotzdem unterschätzt sie seine Loyalität nicht. Mia weiß, dass Spasti einer der wenigen Menschen ist, die im entscheidenden Moment nicht darüber nachdenken, ob eine Handlung elegant aussieht. Sie hält diese Eigenschaft für barbarisch, aber gelegentlich nützlich.
Fibo
Fibo interessiert Mia, weil seine Fähigkeit, mit dem Meta zu kommunizieren, selbst nach ihren Maßstäben ungewöhnlich ist. Sie erkennt früh, dass hinter seinem technischen Können eine Form von Wahrnehmung steckt, die sich nicht auf Maschinen reduzieren lässt, und ermutigt ihn, tiefer in die Materie einzutauchen.
Ihre Gespräche beginnen deshalb häufig mit Philosophie, Mathematik oder der Struktur der Wirklichkeit und enden meistens bei Mia.
Fibo ist zu höflich, etwas dagegen zu unternehmen.
Quote
Fibo: „Wollten wir nicht über rekursive Wahrnehmung sprechen?“
Mia: „Natürlich. Das erinnert mich an eine Geschichte über mich.“
Mia schätzt Fibos Intelligenz gerade deshalb, weil er selten versucht, damit zu beeindrucken. Sie hält Bescheidenheit für eine vornehme Eigenschaft, besonders bei anderen Menschen.
Gesellschaftliche Faustregel
Wenn Mia Von Schöneberg einen Satz mit „Ganz unter uns“ beginnt, befinden sich mindestens zwölf Personen im Umkreis von drei Metern, die ihn später weitererzählen werden.